Betrachtungen

Die Bilder von Peter Bieselt habe ich bereits gekannt, bevor ich den geringsten Einblick in die Welt im Kopf dieses Menschen hatte.

Als ich begonnen habe, mich mit THE BOOK von Alan Watts auseinander zu setzen, um die Übersetzung von Peter Bieselt zu überarbeiten, war ich zunächst von dem eklektischen Ansatz dieses Philosophen ein wenig enttäuscht. Ich erkannte vieles wieder und vermisste das wirklich Neue.

Erst als mir klar wurde, dass diese Betrachtungsweise für den Autor vollkommen unerheblich ist, fand ich einen Zugang zu seinem philosophischen Ansatz.
Während ich die Übersetzung von Peter Bieselt überarbeitete, entstand die Idee und der Entwurf zu diesem Internetauftritt. Bei der Auseinandersetzung mit den Bildern und ihrer Entstehungsgeschichte fiel mir auf, wie viel der Ansatz von Watts mit den Bildern von Peter Bieselt zu tun hat.

Es geht beiden nicht darum, sich und ihre Gedanken- und Bilderwelt in ein Schema einordnen zu lassen. Bezüge zu anderen Kunstformen werden zugelassen, bereits gefundene Ansätze weitergedacht und weitergebildet. Es gibt keine verschämte Scheu davor, den anderen Denker oder Künstler wohlwollend im eigenen Werk zu zitieren.

Das einzelne Bild von Peter Bieselt kann nie in der Detailsicht betrachtet werden. Es wird grundsätzlich ein ganzheitlicher Eindruck erzeugt, die Details fügen sich in ein System. Wobei es nicht heißt, dass das System keinen Störungen unterworfen ist, denn die Störung ist der Ausgangspunkt der Dynamik.

Der Bezug zum Kontext ist ein wichtiger Aspekt der Ansätze von Peter Bieselt und Allan Watts, der hierzu schreibt: "Wie man sieht, dass die Dinge als voneinander gesondert definiert reine Phantasie sind, wird es offensichtlich, dass nicht existierende Dinge keine Handlungen ausführen können." Erst durch ihr Nebeneinander -, Beieinander- und Miteinanderexistieren gewinnen die Dinge Dynamik. Dies trifft auch auf die Elemente in den Bildern von Peter Bieselt zu. Eine grüne Fläche allein ist ohne Kraft, wenn nicht das daneben liegende Element sie bewegt.

Details definieren Strukturen, die in sich und miteinander eine Dynamik bedingen. Es gibt langsame und schnelle Bilder, bewegliche, flexible und schwere, statische, Bilder von Peter Bieselt. Nie existiert auch nur ein Bilddetail allein, auch wenn es darum kämpft, gewinnt es seine Aussagekraft durch den Widerstand, den es seiner Umgebung entgegenbringt.

Watts schreibt: "Es wäre tatsächlich am besten, die Vorstellung von Kausalität fallen zu lassen und stattdessen die der Relativität zu verwenden.... Es ist leichter, sich Situationen wie bewegte Strukturen als Organismen vorzustellen." Ich denke, dass ist auch die Herangehensweise, mit der man sich den Bildern von Peter Bieselt nähern sollte, um sie in ihrer Besonderheit zu erfassen. Alle Einzelheiten sind relativ, gewinnen ihre Aussagekraft durch ihren Kontext und strukturieren sich für den Betrachter immer wieder neu, je nachdem wann er sich mit dem Bild auseinandersetzt.

Es sind Bilder, die sich in ihrer Aussage sehr stark verändern, wenn sich der Betrachter verändert. Denn es sind niemals Bilder, die außen vor bleiben, auf die Distanz bleiben. Es sind Bilder, die den Betrachter in sich hineinziehen, die direkt und unmittelbar den Betrachter zum Bestandteil ihres Systems machen, die ihn stören oder willkommen heißen.

Es gibt nicht dieses berühmte: "Dieses Bild macht mit mir", sondern es müßte heißen: "Ich bin in diesem Bild: fröhlich, traurig, zornig..." Der Betrachter existiert für einen gewissen Zeitraum im Universum dieses Bildes.

Nicole Bolitsch

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